Geschichte der Dettinger Feuerwehr

Die Gründung freiwilliger Feuerwehren vor rund 150 Jahren hängt eng mit der Demokratiebewegung dieser Zeit zusammen und war ein Gedanke bürgerlicher Selbstverantwortung, in einer Zeit, in der in Deutschland nach der 1848er-Revolution eine gewisse Aufbruchstimmung herrschte. Zu den ersten Feuerwehren, die sich im Württemberg zur Mitte des 19. Jahrhunderts formierten gehörte in unserer näheren Umgebung Kirchheim und später Nürtingen. Aus einer Niederschrift in einem Gemeinderatsprotokoll von 1869 geht hervor, dass es auch in Dettingen zur Gründung einer solchen freiwilligen Gruppe gekommen war, die sich jedoch nach einiger Zeit wieder auflöste. Unter Glaser Hess als Hauptmann formierte sich eine Mannschaft und ab dem Jahre 1875 kam es zu einem regelmäßigen Übungsbetrieb. Auf dem damaligen Marktplatz neben dem Schulhaus – dem heutigen neugestalteten Rathausvorplatz - wurde ein Spritzenhaus gebaut und eine Patentfeuerspritze für 1300 Gulden, von der Kaufkraft her 2 Jahreseinkommen eines Fabrikarbeiters, erworben. Im Februar 1875 wurde eine Satzung verabschiedet und dies betrachten wir als unser Gründungsdatum.

Anfangs gab es noch keine Uniformen, angetreten wurde im blauen Bauernhemd, die Kommandanten dieser Zeit waren nach Glaser Hess, der Häfner Benz und dann Schuhmacher Schmid mit Friedrich Gauss als Stellvertreter.

Um die Jahrhundertwende, der Zeit Kaiser Wilhelms II., hielten immer mehr militärische Einflüsse auch Einzug in der Feuerwehr. Es wird auch von etlichen größeren Bränden berichtet, und zwar bei König in der Hinteren Strasse, “ Weisser Ochsen“ in der Unteren Strasse,  Strähle, Hintere Strasse und bei Klein in der Kirchheimer Strasse. Im ersten Weltkrieg fielen etliche Feuerwehrmänner oder blieben vermisst.

Von 1910 – 1935 war Hirschwirt Christian Kunzmann Kommandant und das Gasthaus „Hirsch“ wurde über viele Jahrzehnte bis zur Schließung im Jahre 1980 zum Traditionslokal der Dettinger Feuerwehr.

Im Juni 1926 fand der 5. Bezirksfeuerwehrtag in Dettingen statt und wir hatten zu diesem Zeitpunkt eine Mannschaftsstärke von 100 Mann. Vielen dürfte vom Erzählen her der Großbrand des Gasthauses „Lamm“ im Februar 1929 bekannt sein.

Die an diesem Tag herrschende Kälte von über 20 Grad Minus gestaltete die Löscharbeiten äußerst schwierig. Im gleichen Jahr wird auch von einem Waldbrand berichtet.

1930 war unsere Fahnenweihe auf dem Kelterplatz.

Die politische Neuorientierung ab 1933 machte sich auch in Dettingen bemerkbar  und 1938 wurde die staatliche Eingliederung als sogenannte Feuerschutzpolizei vollzogen. In den 30-er-Jahren gab es auch etliche grössere Brände, so bei Wilhelm Kiedaisch in der Kelterstrasse und bei Gottlieb Klein in der Hinteren Strasse. Seit 1935 war Georg Kiedaisch Kommandant. Im II. Weltkrieg wurden nach und nach immer mehr Männer zum Kriegsdienst eingezogen und ab 1943 bis zum Kriegsende betrug die Mannschaftsstärke nur noch etwas über 30 Mann. Im August 1943 brannte das Anwesen von Carl Ott in der Gartenstrasse. Neben Eimerketten von der Lauter her, bei der auch viele Frauen und Kinder beteiligt waren, war die Stütze der Bekämpfung dieses Großfeuers die 1936 angeschaffte Motorspritze TS 8.

Der Krieg endete am 20. April 1945 für Dettingen mit einer Katastrophe.

Nach unruhigen Tagen – Reste der deutschen Wehrmacht befanden sich auf dem Rückzug durch das Lenninger Tal – und zogen durch den Ort, wurde das Dorf nachmittags gegen 16 Uhr bombardiert. In der Dorfmitte entsteht rasch ein Inferno. In kurzer Zeit brannten etliche Häuser sowie Kirche, Rathaus und Schlössle. Fatalerweise auch das Spritzenhaus, alle Geräte und das gesamte Feuerwehrinventar wurden zerstört. Die Motorspritzen der Werksfeuerwehren Tuchfabrik Berger und Schraubenfabrik wurden eingesetzt, mit Handspritzen und Eimern gelöscht so gut es ging, die Dorfgemeinschaft war auf sich gestellt, von außen keine Hilfe zu erwarten. Von den damals etwa 500 Gebäuden des Orts sind 69 niedergebrannt, von 400 Scheunen sind 39 völlig zerstört, von 750 Familien 80 obdachlos, 11 Einwohner und 12 Soldaten sind ums Leben gekommen.

Das Kriegsende war nicht nur für den Ort sondern auch für die Feuerwehr die „Stunde Null“, dem der Neubeginn folgte.

Dieser Neubeginn war bereits im Sommer 1945, als sich zu einigen alten Feuerwehrkameraden junge Männer gesellten, die sich unter der Führung von Gottlieb Blankenhorn zusammentaten und neu anfingen. An Gerätschaften war nur noch wenig vorhanden. Erst ab 1946 kann von einem geordneten Dienst gesprochen werden, als inzwischen auch 4 Hydrantenwagen, eine Lafettenspritze, eine Anhängeleiter und Hanfschläuche zur Verfügung standen. Es musste viel improvisiert werden in dieser Zeit. Im heissen Sommer des Jahres 1947 brannte das Doppelhaus der Landwirtsfamilien Nägele in der Hinteren Strasse.

Gottlieb Blankenhorn stand bis 1959 als Kommandant zur Verfügung. Bei der Einweihung des neuen Rathauses, in dem auch die Feuerwehr ihre neue Heimat fand, nachdem sie jahrelang beengt im alten Rathaus, dem heutigen evang. Gemeindehaus untergebracht war, wurde er zum Ehrenkommandanten ernannt.

1959 war Fritz Holder zum Kommandanten gewählt worden, Stellvertreter wurden Otto Diez und Erwin Huber, Zugführer Karl Kiedaisch. Ein grosses Schadenfeuer war der beim Dreschen entstandene Brand bei Hermann Kiedaisch in der Gartenstrasse im November 1960. Der Förderung der Kameradschaft und der Modernisierung der Gerätschaften galt Fritz Holders besonderes Anliegen, so konnte 1964 das erste Löschfahrzeug, ein LF 8, in Dienst genommen werden, dem kurz darauf das Tanklöschfahrzeug TLF 8, damals im Besitz des Bundes, folgte.

Die ersten Prüfungen zum Leistungsabzeichen wurden gemacht und die Ausbildung vorangetrieben. 1970 bekam die Feuerwehr eine neue Fahne, bei der Fahnenweihe im September in der Segelflughalle wurde auch das Tanklöschfahrzeug TLF 16, welches heute in Boschok in Ungarn seinen Dienst tut, übernommen. Ebenfalls in diesem Jahr brannte die „Untere Mühle“, heute Bauhof.

Eine Sorge der 70er-Jahre war die niedrige Mannschaftsstärke von nur rd. 40 Mann und mangelnder Nachwuchs. Durch gemeinsame Anstrengungen von Gemeinde-verwaltung, Kommando und Ausschuss konnte dies dann im Laufe der nächsten Jahre behoben werden und es kam dann auch bald zur Gründung der Jugendfeuerwehr, bei der federführend viele Jahre Armin Friederich engagiert als Jugendwart tätig war. Auch die Altersgruppe entstand damals.

1975 konnte das 100-jährige Jubiläum gefeiert werden und das Kommando bestand ab diesem Zeitpunkt bis 1981 aus Kommandant Fritz Holder, Stellvertreter Erich Sigel und Zugführer Dieter Schramm.1981 wurde Erich Sigel zum Kommandanten gewählt und der verdienstvolle Fritz Holder wurde im gleichen Jahr zum Ehrenkommandanten ernannt. Stellvertreter wurde Paul Rädisch und Zugführer Erich Waimer.Ein Generationenwechsel in vielen Bereichen stand an und Ausschuss-mitglieder, Gruppenführer und andere Funktionsträger übergaben ihre Aufgaben an jüngere Kameraden. Auch Art und Umfang der Einsätze veränderten sich in dieser Zeit, hinzu kamen vor allem techn. Hilfeleistungen. Seit Anfang der 80er-Jahre verzeichnet die Feuerwehr Dettingen im Jahr durchschnittlich 25-30 Einsätze verschiedenster Art. Von der Sirenenalarmierung war bereits Ende der 70er-Jahre auf die sogenannte „stille Alarmierung“ mittels Funkmeldern gewechselt worden.

Unter dem Kommando von Erich Sigel wurde insbesondere die Aus- und Fortbildung vorangetrieben und die Schlagkraft der Feuerwehr durch Beschaffungen von weiteren Gerätschaften erhöht. So konnte 1984 das Löschfahrzeug LF 16-TS in Dienst gestellt werden und das alte Löschfahrzeug LF 8 wurde zum Gerätewagen umgebaut. Ebenfalls 1984 war ein Grossbrand im landwirtschaftlichen Anwesen von Karl Epple in der Kirchstrasse zu bekämpfen, 1988 brannte der Dachstuhl des Farrenstalls und 1989 durch Blitzschlag ein Wohnhaus in der Lindenstrasse.

Erich Sigel wurde im Jahre 1996 zum Ehrenkommandanten ernannt.

1991 wurde der bisherige Stellvertreter, Paul Rädisch, zum Kommandanten gewählt Stellvertreter wurde der bisherige Zugführer Walter Blankenhorn, Zugführer waren seither Walter Bauer und Jürgen Holder.

Die Mannschaftsstärke blieb seit dieser Zeit in etwa konstant und schwankt zwischen 50-55 Aktiven, rd. 10 Mann in der Altersgruppe und rd. 10 Jugendfeuerwehrleuten. Die Aus- und Weiterbildung wurde kontinuierlich fortgesetzt und 1994 konnte ein neues Tanklöschfahrzeug, das TLF 16-25 in Dienst genommen werden.

Einmal nicht mit Feuer sondern mit viel Wasser hatte die Feuerwehr im April 1994 zu tun: Nach starken Regenfällen war im Bereich der Stelle aber auch bei der Alten Bissinger Strasse Hochwasser. Zu erwähnen ist noch der Grossbrand der Montagehalle der Firma Schwaben-Mobil im Lindengarten im Februar 1999. Obwohl die Halle total zerstört wurde, konnte durch gezielten Einsatz ein angrenzendes Wohnhaus mit Büro gerettet werden.

Bei der Hauptversammlung 2001 wurde Jürgen Holder zum Kommandanten gewählt und übt diese Aufgabe bis heute aus. Rainer Holder wurde 2001 sein Stellvertreter. Lars Walz war zwischendurch stellv. Kommandant und zwischenzeitlich sind Florian Imrich und Rainer Holder die stellv. Kommandanten der Dettinger Feuerwehr.

Die Einsatzabteilung hat heute 60 Mitglieder, darunter auch 4 Frauen. Zu 30 bis 40 Einsätzen wird die Wehr im Jahr gerufen. Von den Einsätzen der letzten Jahre seien exemplarisch genannt: Der Großbrand einer Halle im Industriegebiet, mehrere zum Teil tragische Verkehrsunfälle, Einsätze nach Starkregen und tagelange Unwettereinsätze nach dem Hagelunwetter im Jahre 2013, etliche technische Hilfeleistungen und Türöffnungen. Da sowohl einige Industriebetriebe als auch öffentliche Gebäude zwischenzeitlich Brandmeldeanlagen haben, wird die Feuerwehr auch dorthin immer wieder zu Brandmeldeeinsätzen gerufen.

Weiterbildung und Kameradschaftspflege kamen in Dettingen auch nie zu kurz, erwähnt sei unser traditionelles Sonnwendfeuer auf dem Käppele.

Unvollständig wäre dieser Rückblick ohne den besonderen Dank den Bürgermeistern der letzten Jahrzehnte, Richard Käser, Günter Fischer und Rainer Haußmann und den Gemeinderäten dieser Zeit sowie der Gemeindeverwaltung, die uns immer so gut es ging unterstützt haben und stets ein offenes Ohr für die Belange der Feuerwehr hatten; Dank auch den Firmen und Privatpersonen, die hinter uns stehen und nicht zuletzt auch an unsere Feuerwehrfrauen, die mit dazu beitragen, dass hier in Dettingen eine schlagkräftige Feuerwehr existiert.

Es gäbe noch viel zu berichten, aber es konnte manches nur kurz gestreift werden,

noch folgendes zum Schluss:

Wir haben in der Dettinger Feuerwehr einen kameradschaftlichen, generationen-übergreifenden Zusammenhalt von Menschen im Alter zwischen 10 und 85 Jahren, die sich einer gemeinsamen Aufgabe verschrieben haben:

Dem Dienst am und für den Bürger zu jeder Zeit, bei Tag und Nacht und dies nun hier in Dettingen schon seit 145 Jahren.

 

(Walter Wanner)

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